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Die Bibliotheksbestände des Kölner Musikwissenschaftlichen Instituts im Netzwerk der NS-Zeit

Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste

Beginn: April 2021
Leitung: Prof. Dr. Federico Spinetti / Dr. Lüder Schmidt
Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Ricarda Kopal
Assistenz: Max Jakuschew M.A.
Kontakt: mwi-provenienz@uni-koeln.de                    

Die Bibliothek des Kölner Musikwissenschaftlichen Instituts wurde seit 1920 zunächst von Ernst Bücken aufgebaut. Maßgeblich für die Erwerbungen in den 1930er- und frühen 1940er- Jahren waren jedoch die Institutsdirektoren Theodor Kroyer (1932-1938) sowie Karl Gustav Fellerer (1939-1970). Es konnte in einem vorhergehenden Projekt dokumentiert werden, dass Fellerer nicht nur über längere Zeit hinweg eng mit dem Leiter des Sonderstabs Musik im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), Herbert Gerigk, zusammengearbeitet hat, sondern auch persönlich wiederholt für den ERR tätig geworden ist sowie an Literaturbeschaffungen in besetzten Gebieten teilgenommen hat. Zugleich ist bei zahlreichen, zum Teil ggf. wertvollen Bänden in der Bibliothek des Instituts die Herkunft unklar, sodass hier weitere Forschung dringend notwendig erscheint: Für mindestens zwei Bände ist die Herkunft aus der zwangsweise veräußerten Privatbibliothek Georg Kinskys sehr wahrscheinlich, für einige Autographe des Kölner Dom- und Ratskapellmeisters Charles Rosier (Anfang des 18. Jahrhunderts) wird eine Herkunft aus dem Kölner Domarchiv vermutet. Bei weiteren Bänden ist zu prüfen, ob sie möglicherweise infolge der Beschlagnahmung von Klosterbibliotheken ab 1941 in die Institutsbibliothek gelangt sind.

Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt ist zunächst der Rara-Bestand der Institutsbibliothek. Der Fund von frühen Rechnungsbüchern des Instituts, welche den Zeitraum 1932-1945 dokumentieren, bietet einen erfolgversprechenden Ansatzpunkt für die Identifizierung weiterer kritischer Bestandsgruppen bzw. Beständen mit ungeklärter Provenienz.

Ziel des Projekts ist hauptsächlich eine systematische Überprüfung der genannten Bestände und die Identifizierung und gezielte Erforschung kritischer Zugänge. Darüber hinaus steht das damalige Personal des Instituts sowie dessen vielfältige Verflechtungen in Strukturen der Universität und des Wissenschaftsbetriebs, der Stadt, des Staates, der NSDAP und des Kulturlebens im Fokus des Interesses. Am Ende des Projekts sollen neben neuen Erkenntnissen über die Provenienzen einzelner Objekte auch ein besseres Verständnis der lokalen, regionalen und überregionalen Netzwerke und Kontakte stehen, mittels der die Bibliothek des Musikwissenschaftlichen Instituts in der NS-Zeit aufgebaut bzw. erweitert wurde.

Link zur Projektbeschreibung beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste:
https://www.kulturgutverluste.de/Content/03_Forschungsfoerderung/Projekt/Universitaet-zu-Koeln/Projekt4.html