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Sound Studies

 

Die seit den 1970er Jahren vornehmlich im anglophonen Raum betriebenen Sound Studies fordern eine traditionell orientierte Musikwissenschaft insofern heraus, als in ihnen Musik lediglich zum kulturellen Sonderfall intentional gestalteten Klanges gerät. Vergleichbar den Visual Studies handelt es sich bei diesem gleichsam akustischen Gegenstück um keine fest umrissene Disziplin mit einer distinkten Fachgeschichte oder eindeutig bestimmbaren Forschungstraditionen. Ihre Ansätze, Fragestellungen und Methoden sind mindestens so zahlreich wie die Einzelpersonen, die sich mit je anderen disziplinären Vorzeichen allen möglichen Erscheinungsarten des Klingenden zuwenden, sei es aus soziologischer, philosophischer, anthropologischer, biologischer, medizinischer, ökologischer, ingenieurwissenschaftlicher oder technikgeschichtlicher Perspektive.

Mit der im Februar 2017 erfolgten Einrichtung einer Juniorprofessur für Sound Studies am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln wird eine Brücke zwischen den differenten Wissenskulturen geschlagen, wobei musikalische und musikkulturelle Phänomene ebenso ins Blickfeld geraten wie der Umgang mit klingenden Materialien und tönenden Objekten in benachbarten Kunstsparten (Hörspiel, Klangkunst, akustische Kunst, filmisches Sound Design, Foley, Game Audio, Performance Art etc.). Zusätzlich zur artistisch beziehungsweise medientechnologisch angeleiteten Musik- und Klangproduktion adressieren die Sound Studies ganz grundsätzliche Fragen des auditiven Zugangs zur Welt: Nach welchen historischen und kulturellen Maßgaben wurde oder wird wie gehört? Welchen Stellenwert besitzt das Auditive in Relation zu anderen Sinneswahrnehmungen? Wie richten Menschen ihre akustischen Lebensräume ein? Welche Handlungsmacht fällt dabei unterschiedlichen Akteuren und Institutionen zu? Und was signifizieren bestimmte Töne, Klänge und Geräusche in spezifischen Kontexten?

Inhaltliche Berührungspunkte mit den übrigen Professuren des Kölner Instituts bestehen im Bereich der Filmmusik und der emotionalen Wirkung von Klängen (Historische Musikwissenschaft), der Erschließung kulturspezifischer „sonic practices“ (Musikethnologie), aber auch zu Fragen der auditiven Aufmerksamkeit und technologisch vermittelten Interaktion (Systematische Musikwissenschaft). Eine besonders enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Musik der Gegenwart gilt der Erforschung multiphoner elektroakustischer Musik, einschließlich der gemeinsamen Betreuung des Klangstudios und der kooperativ veranstalteten Zyklen Komposition und Musikwissenschaft im Dialog und Raum-Musik.